Toulminkarte
Aus Wissensmanagement
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Frage oder Problemstellung
Wie kann ich eine Argumentation vereinfacht und schlüssig visualisieren und die Inhalte damit explizit und transparent machen?
Definition
Das Schema des Argumentationsmodells von Toulmin besteht aus sechs Bausteinen, die helfen, eine Argumentation zu analysieren oder zu entwickeln. Durch Visualisierung und Trennung der einzelnen Argumentationsbestandteile können diese explizit dargestellt und einer einfacheren Analyse, Prüfung und Diskussion zugänglich gemacht werden.
Beschreibung des Tools und Funktionsweise
In Anlehnung an den formalen klassischen Syllogismus (3 Behauptungen: 2 Prämissen und 1 Konklusion) konzentiert sich Toulmin weniger auf die bis dahin entscheidende Richtigkeit im Sinne von formaler, allgemein gültiger Ableitbarkeit auf Basis bestehenden Wissens (z.B. alle Menschen sind sterblich ...). Er stellt stattdessen die "substantielle Ergiebigkeit" von praktischen Argumentationen in den Vordergrund. Damit lässt er als Prämissen (Fakten oder Rechtfertigungen) auch Einzelsituationen aus konkreten und allseits akzeptierten individuellen Erfahrungshintergründen zu (z.B. aktuelle Statistiken zeigen ...) und orientiert sich so auch an der dynamischen Erzeugung neuen Wissens.
Eine Behauptung, bzw. These (1) wird durch Fakten (2) begründet. Der Begründungsvorgang bzw. die verknüpfende Rechtfertigung wird durch eine allgemein gehaltene Schlussregel (4) erreicht und durch eine Stützprämisse (5) abgesichert. Um den Wahrscheinlichkeitsgrad oder Geltungsanspruch der Schlussfolgerung zu gewichten, kann die Aussage mit unterschiedlich starken Verknüpfungsoperatoren (3) modifiziert werden. Um die Anfechtbarkeit einer implizierten Schlussregel zu vermindern oder auch Gegenbeispiele zuzulassen oder zu antipizieren, können Gegenbehauptungen oder Ausnahmebedingungen (6) formuliert werden.
Anwendungsbeispiel
Material und Hilfsmittel
1. Analog mit Papier und Stift möglich.
2. Digital ebenfalls sehr einfach technisch umsetzbar mit einem Präsentationstool (z.B. Powerpoint), Zeichenprogramm oder einer speziellen Software wie Let's focus [1] oder der kostenlosen Argumentationsanalysesoftware Auracaria [2].
Aufwand, Schwierigkeit
Mit Stift und Papier ebenso wie mit Software liegt die Schwierigkeit in der Isolierung der einzelnen Argumentationsbestandteile und ist abhängig von der Komplexität der Argumente. Je komplexer desto grösser ist die Problematik, aus einem meist vorliegenden Thesen-, Fakten- und Rechtfertigungsgeflecht eindeutige und den sechs Bestandteilen zuordnenbare Aussagen zu extrahieren. In dieser Schwierigkeit liegt aber auch genau der Sinn und die unterstützende Wirkung dieser Methode.
Vor- und Nachteile
Vorteile:
- Rekonstruktion von Aussagen: Argumente und Thesen werden durch Isolation und Zuordnung visualisiert und können damit leichter auf Relevanz und Richtigkeit analysiert, geprüft und in Frage gestellt werden.
- Konstruktion von Aussagen: Für die Entwicklung von Argumentationen kann das Schema als Kurz-Checkliste dienen, ob eine These genügend stark begründet ist und welche Gegenargumente möglich sind.
Nachteile:
- Komplexe Argumentationen bestehen zumeist aus Argument- und Rechtfertigungsgeflechten mit mehreren Einzelaussagen. Das Diagramm muss bei multifaktoriellen Argumentationen entsprechend erweitert werden.
- Fakten zur Begründung und zur Rechtfertigung sind schwer abgrenzbar und müssen pragmatisch zugeordnet werden.
Literatur
- Goettert, K.-H.(1978). Argumentation. Grundzüge ihrer Theorie im Bereich des theoretischen Wissens und praktischen Handelns, Tübingen
- Toulmin, S. (1958). The Uses of Argument, Cambridge, England: Cambridge University Press
- Reinmann, G., Eppler, M.J. (2008). Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Bern: Huber. S. 108-111
- [3] Wikipedia "Stephen_Toulmin"
Weiterführende Informationen
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